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Dienstag, 25. November 2008

Julius Meinl Schule für Finanzgeschäfte


Julius Meinl V. ist, ohne es zu wollen, in die Rolle des Lehrbeauftragten für Geldanlage gerutscht.

Aber vielleicht nützt das Meinl-Fiasko dazu, dass einige Anleger aus ihren eigenen Fehlern lernen.
Das Gute an Meinl ist, das hier ein echtes Lehrstück über falsches Investmentverhalten vorliegt.

Lektionen aus denen zu lernen ist:

Lektion 1:
Anlageprodukte, die aggressiv beworben werden, sind schon von vornhinein suspekt. Denn anders als bei Industriegütern kommt ein höherer Absatz nur dem Anbieter, aber nie dem Kunden zugute. Selbst wenn alles mit rechten Dingen zugeht, trägt die Kosten für die Werbung der Anleger – in Form niedrigerer Renditen.

Lektion 2:
Mehr Ertrag bedeutet mehr Risiko, ausnahmslos und immer!!!! Es gibt keine Anlageform, die höhere Renditen mit hoher Sicherheit verbindet. Wer immer dies verspricht oder auch nur suggeriert, begeht einen Betrug an seinen Kunden. Aber auch mündige Anleger sind dazu verpflichtet, diesen Widerspruch zu erkennen und nicht jedes Mal von neuem dabei hineinzufallen.

Lektion 3:
Immobilien sind nicht grundsätzlich sicherer als Aktien oder andere Anlageformen. Ja, sie bestehen aus Ziegel und Beton, aber sie sind immer nur so viel wert, wie irgendwer dafür bereit ist zu bezahlen. Und wenn zu viel gebaut wurde und die Nachfrage sinkt, dann können teure Gebäude oft jahrelang unverkäuflich in der Gegend herumstehen – dafür man muss nur nach Florida, Spanien oder Irland blicken.

Lektion 4:
Wenn man schon in Immobilien investieren will – und als Teil eines Depots ist das sicherlich vernünftig – dann bitte nicht in eine Immobilien-AG. Diese gerade in Österreich so beliebte Anlageform strotzt geradezu vor Intransparenz und lädt das Management dadurch zum Betrug ein. Die Bewertung von Immobilien ist grundsätzlich subjektiv, daher können leicht Wertsteigerungen vorgegaukelt werden. Und wie viel des Anlagergeldes die Immo-AG wirklich veranlagt, lässt sich von außen nicht feststellen. Bei MEL und der Immofinanz war es viel weniger als gedacht.

Lektion 5:
Das Kleingedruckte muss gelesen werden. Wer sich MEL genauer angeschaut hätte, der hätte gesehen, dass das Unternehmen in Jersey sitzt – das sollte alle Alarmglocken läuten lassen – und bloß Zertifikate zum Erwerb anbietet. Auch dies ist ein Grund misstrauisch zu werden.

Lektion 6:
All das sollten Bank- oder Anlageberater seinen Kunden eigentlich mitteilen, aber das liegt nicht in ihrem Interesse. Sie wollen Provisionen verdienen, und je windiger das Produkt, desto mehr verdient üblicherweise der Berater. Es liegt daher am Kunden, die schönen Worte des Beraters zu hinterfragen, ihn nach dessen Eigeninteresse auszufragen, und sich Chancen und Risiken genau und schriftlich erklären zu lassen.

Quelle: der Standard/KrisenFrey

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